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RUHR 2010

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kunstraum: ambient art

henry david thoreau, 1817 - 1862: es geht nicht um das, was du anschaust, sondern um das, was du siehst. Vom Künstler haben wir die verschiedBlau-4ensten Bilder im Kopf: Schöpfer,  Erfinder; Konservator, Reformator, Faulenzer, Schamane, Forscher,  Vermittler, armer Poet, ... . Im großen und ganzen kann man sagen: der  Künstler ist Unternehmer, Manager und Gestalter, der mit seiner Arbeit  und mit seinen(m) Werk(en) die Idee vom großen Weltenbild gestaltet. Er  stellt keine Anzeigen her, er stellt keine Hochzeitsfotos her, er stellt keine Tontöpfe her, stellt keine Kleider her, er stellt keine Joghurts  her. Habe ich etwas vergessen? Wenn ja, dann sei es an dieser Stelle  gedacht. Noch ein Bild vom Künstler: der Künstler sei Visionär und  forschender Mensch, der im Hier und Jetzt wirkt, und vielleicht sogar einen Teil der Zukunft vorausahnen kann. Er ist ein Indivdualist. Er sollte auch den nichtkünstlerisch Tätigen das Hier und Jetzt  erklären und sie durch sein Tun und Lassen, und durch seine Aura in  einer gewissen Weise motivieren, heilen und heilig sprechen für alle  Ewigkeit. Oder? Der Mensch schätzt das auf den ersten Blick Einfache,  Nützliche, Glänzende, das Schnelle, das Große, das Teuerste, das  Monströse, die Tiefe. Eben Superlative. Seit Leonardo da Vinci hat die  Kunst mehr mit Wissenschaft zu tun als sich viele Menschen wünschen. Im  20. Jahrhundert hat sich das Leben und alle damit verbundenen  Zusammenhänge massiv beschleunigt. Raum und Geschwindigkeit stehen im  Zentrum unseres Denkens und Handels. Kunst bietet die konkrete  Möglichkeit Arkadien ein Stück näher zu kommen. Ist das was wir sehen  für uns Arkadien, dann schafft es die Kunst dieses Stück Paradies  festzuhalten. Alles was diese schöne Aussicht nicht bietet, ist  anstrengend oder wertlos. Aber Kunst kann mehr als nur schön sein, und  das ist nicht immer glamourös.

Die Welt ist voAT1-9ller Bilder. Vor mehr als 20  Jahren sprach man schon von der “Bilderflut” und davon, dass wir uns “... zu  Tode amüsieren ...” (N. Postman). Aber damals waren das Internet, das  Smartphone, das Fotohandy und die Digitalkamera noch nicht erfunden oder noch nicht so verbreitet wie heute. Gleicht das Bildermachen heute  nicht einem Turmbau zu Babel? Wir stapeln munter immer weiter Bilder -  von Jungen und Alten, von Profis und Amateuren. Aber nicht nur das  Bildermachen im Rechteck geht weiter, die Kunst begibt sich im 20.  Jahrhundert aus dem gesicherten Rechteck des Bilderrahmens in den realen und gesellschaftlichen Raum. Immer wieder gestellte Fragen bleiben  aktuell: Was ist Kunst? Ist Kunst Luxus? Ist Kunst nur für eine kleine  Gruppe begünstigter Personen reserviert? Nun, hier der Versuch einer  vielleicht nicht befriedigenden Antwort: Ob reich oder arm: jeder hat  heute Zugang zur Kunst, auch wenn er dies auf den ersten Blick nicht so  sieht. Er kann sie in Museen und Galerien genießen oder an der  Produktion, zumindest teilweise teil haben. Kunst ist Raum. Genau  hingeschaut, beschäftigt sich die Kunst mit dem Menschen, nicht allein  mit der Zukunft, immer auch mit dem Gewesenen. Traditionell ist sie  schön. Schön verständlich. Schön anzusehen. Fast so schön wie  Fotomodelle, oder die Mode auf dem Laufsteg. Begehrenswert. Sehen,  Fühlen, Denken, Forschen, Konstruieren, Dekonstruieren, Managen.  Glückliche Umstände. Jedes Kunstwerk, das ernst- und wahrgenommen werden soll oder will, steht per se in einer Tradition und es überdauert den  Schöpfer um ein vielfaches, wenn dies die Umstände zulassen. Zugegeben,  große und berühmte Kunstwerke sind schon eine Klasse für sich, aber  Lagerung und Transport sind nicht immer ganz einfach. Da ist sie wieder, die Realität, die jeden Menschen, Künstler und Kunstsammler ganz  individuell mit aller Poesie und Härte begleitet. Die Welt zwischen  Himmel und Erde, Kunst und Alltag wird mit jedem neuen Bild und Kind neu definiert. Kunst und Leben stehen sich manchmal im Weg. Denn die Kunst liebt nicht nur Glänzendes, auch das Arme ist ihr heilig. Vielleicht  liegt darin die Schönheit und die Faszination der Kunst: der Künstler  bietet all sein Können zur Ehre Gottes, der Götter, Könige oder des  Menschen auf. Geist und Materie wachsen im Kunstwerk zu einer Synthese  zusammen. Natürlich.

dr. phil. bPIZ-PIZ-1ernd altmann: ... Das Werk von Michael Blaszczyk besteht aus Objekten. Auch seine Gemälde und Graphiken bilden nicht ab, sie  sind reale KunstGegenstände. Deshalb grenzen sie sich meist nicht durch eine herkömmliche Rahmung von der Umwelt ab. Ihre Funktion besteht in  der Begegnung mit dem Raum und dem aufnahmebereiten Betrachter, der  durch diese Erfahrung seine individuelle Identität in Beziehung zur  Welt wahrnimmt. ...Seine Werke sind Fenster, Hilfen zum Durchschauen auf das Wesentliche - und Kunst, da sie nicht das Sichtbare wiedergeben,  sondern sichtbar machen. Mit dem finden, sammeln, ordnen von Dingen, Wissen und Informationen Raum und Sinn schaffen. Dabei  persönliche, historische, lokale und globale Bezüge nicht übergehen. Die Kunst speist sich aus vielen Quellen. Im Verlauf der Realisation interessieren mich die Möglichkeiten der  Zusammenarbeit und die interaktive Kommunikation mit Kollegen,  Kunstinteressierten und allen weiteren Beteiligten. Teil des  Gesamtprojekts ist auch die gute Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit (Zeitungen, Radio, Internet). Grundlage sind Arbeiten, die auf den  ersten Blick mit den klassischen Mitteln und Methoden entstanden sind.  Sie finden, wenn notwendig auch Eingang in die raumbezogenen Projekte.  Die so entstandenen Arbeiten werden auch in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Zu jedem Projekt (z.B. PIZ-PIZ und SchöneAussicht), das einzigartig und nur für den dafür vorgesehenen Zeitrahmen entsteht, erarbeite ich eine Dokumentation als Bestandteil der Arbeit.

Simultan International: Die  Projektarbeit als Form künstlerischer Auseinandersetzung mit der Welt  begann mit der Gründung der Agentur Simultan International 1986/87 in Trier. Künstlerkollegen und Kunstfreunde fanden sich  zusammen, weil sie mit der Situation der zeitgenössischen Kunst in einer alten Stadt wie Trier nicht zufrieden waren. Die zeitgenössische Kunst sollte im kulturellen Leben einen neuen Stellenwert erhalten. Sie  sollte die alte Römerstadt Trier auf neuem Wege bereichern und das Leben intensivieren. Was uns sicherlich gelungen ist. Denn auf unsere  Initiative entstand der Galerieführer ART - Galerien in Trier in Zusammenarbeit mit den meisten Galerien und Museen in Trier. Dieser  erschien noch weitere Jahre, allerdings in veränderter Form und unter anderer  Regie.

Kunstraum Xanten: Neue Kunst in alten Mauern. 1992/93 war ich mit Markus Köck als Team b.u.k. am Projekt Zeichen auf dem Weg (unter der Leitung von Prof. Karin Kremer / Saarbrücken) beteiligt. Es wurde in Zusammenarbeit von ArchäologischDSCN0873em Park Xanten und der Hochschule der Künste Saar, Saarbrücken durchgeführt. Hier habe ich als Initiator, Vermittler und Berater fungiert. 1993 ging es beim Kunstprojekt MIXED MEDIA I + II in St. Wendel (Galerie im Zwinger und in Dinslaken in der Galerie Kunstgiebel) um  Stadterkundung und Stadtgeschichte und ihre künstlerische Umsetzung in  Form einer Installation. 2001 habe ich WorkshopProjekte  (SpurenSucheIdeenReich) im Rahmen der “JugendKulturWoche” und der “Projektwoche Kunst” in der Viktor -  Grundschule in Xanten mit SchülerInnen an verschiedenen, markanten Orten in der Stadt Xanten durchgeführt. Die TeilnehmerInnen waren mit großer Begeisterung am Werk. 2002 waren die entstandenen Arbeiten in einer  Ausstellung in der Galerie Blauhaus Xanten zu sehen. 2004  war ich mit einem Stand beim Künstlermarkt in Xanten vertreten. Eigens hierfür entstand die Installation nibelungenwappNET/ in der Zusammenarbeit mit Markus Köck und Dr. Bernd Altmann. Unser  Stand befand sich in unmittelbarer Nähe zum Museum  Nibelungen(h)ort.  Die Nibelungensage kritisch, wissenschaftlich und künstlerisch  aufzuarbeiten ist Aufgabe des Museums. 2005 eröffnete die Kunstschule Xanten ihre Pforten. Für die Namensgebung bin ich verantwortlich und an der  inhaltlichen Ausrichtung habe ich ebenfalls einen gewissen Anteil. Seit  2006 betreue ich als Kurator zusammen mit Karin Meinert die bildende Kunst im Verein Stadtkultur Xanten e.V. (u.a. organisierten wir die Große Rathausausstellung und die Offenen Ateliers). 2010 stand im Zeichen der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR 2010 / Local  Heroes. Für den Verein  war ich an der Gestaltung des Programms der Local Heroes Woche Xanten beteiligt. Mit zwei Projekt in Xanten und Alpen konnte ich zum Erfolg dieser Projektwochen in dieser Region beitragen (Raum zum Aufwärmen - Raum für Kunst / KunstGenuss. Seit 2011 leite ich als Kurator die Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten. Zusammen mit dem Kunstverein Xanten e. V. präsentieren wir aktuelle Kunst aus der Region und von KünstlerInnen weltweit. 2013 zeichnete das Ministerium für Jugend, Kultur, Familie und Sport des Landes NRW das Projekt “working gallery -Schneewittchen mal anders”, das in Zusammenarbeit mit der Marienschule Xanten erstmals realisiert wurde, mit dem Preis ”Auf dem Weg zum Jugendkulturland NRW” aus.

LaborFürNeueKunst: Burg6.10Mit der Gründung des LaborFürNeueKunst in 2008 ist die Absicht verbunden, Projekte auf der Basis der Idee Kunst und  Kultur im Spannungsfeld Stadt / Land an musealen aber auch nicht  musealen Orten zu realisieren. Dabei entstehen die Projekte im Dialog  zwischen Künstler und Auftraggeber. Ein erstes Projekt war Intervention 1/08, das Erfahrungen aus Begegnungen I - V, der bisherigen Arbeit im Atelier Tor 1 und der Arbeit von b.u.k miteinander verknüpfte. In diesem Rahmen berieten wir ab 2009 das Hotel /  Restaurant Burgschänke in Alpen in gestalterischen und  kulturspezifischen Fragen und konnten es als SHOWROOM für das Labor nutzen. Auch Alpen beteiligte sich an der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR 2010 / Local  Heroes. Das Labor arbeitete hier mit dem Hotel /  Restaurant Burgschänke zusammen und entwickelte das Projekt KunstGenuss. Ende 2010 wurde das Hotel und Restaurant von einem neuen Eigentümer übernommen und die Zusammenarbeit endete.  Seit 2011 finden Interessierte das Labor im Atelier Tor 1. Besucher sind nach Anmeldung herzlich willkommen.

 

Fotos (von oben nach unten, M. Blaszczyk): Ausstellung Galerie Blauhaus,  Xanten / Atelier Tor 1, Alpen / PIZ - PIZ / Jahresausstellung, Xanten / Showroom LaborFürNeueKunst, Alpen